Interview mit Nicolai Juul

Es gibt eine auffallende äußerliche Ähnlichkeit zwischen dir und deinem Vater, vor allem in deinen Bewegungen und der Art, wie du sprichst.

Ja. Und auch in der Art, wie wir denken oder uns gegenüber der Familie verhalten, gibt es sehr, sehr viele Ähnlichkeiten. Aber ich habe diese Gabe, von ihm als Lehrer oder Führungsperson zu wirken, nicht geerbt. Dieser Teil, den er hatte, diese unglaubliche Verbindung zu Menschen und das Verständnis für das, was sie brauchten und die Fähigkeit, Menschen auf die Art zu unterrichten, wie er es tat, das hatte nur er.

Was hast du von deiner Mutter bekommen?

Eine Sache – Empathie. Nicht, dass mein Vater sie nicht hatte oder nicht zeigte. Generell habe ich viel mehr von Jesper bekommen als von meiner Mutter Katja – von der Liebe zum Essen über die Persönlichkeit bis hin zur Art, wie ich mich gegenüber anderen Menschen verhalte.

Deine Großmutter war Polin.

Ja, mütterlicherseits. Und mein Großvater war Däne. Er war Tierarzt. Ich weiß immer noch nicht, wie sie sich trafen, aber ich vermute, dass es etwas mit dem Krieg zu tun gehabt haben muss. Aber sowohl Jesper als auch Katja hatten schwierige Beziehungen zu ihren Eltern. Es war auf beiden Seiten nie eine enge Beziehung.

Wie alt warst du, als sich deine Eltern trennten?

Siebzehn. Ich denke, sie hatten sich bereits vorher voneinander entfernt. Meine Mutter ist sehr künstlerisch und kreativ; sie töpferte gerne. Sie übernahm die Verantwortung und erfüllte die Aufgabe als Elternteil. Meine Erziehung und meinen Alltag übernahm meine Mutter. Und Jesper konzentrierte sich eher auf die Geschäftsseite und versuchte, so viel wie möglich zu arbeiten. Das war der Punkt, an dem es zwischen ihnen schiefging. Wenn man es eine glückliche Trennung nennen kann, dann war es das definitiv.

Warst du deswegen ein Problem-Teenager?

Also während dieser Zeit wurde ich wütend und schlug ein Loch in die Tür und rebellierte ein bisschen. Aber danach war nichts mehr. Es war wie eine erste Reaktion. Als Jesper krank wurde, verbanden sie sich wieder. Sie tat wirklich alles, um für ihn da zu sein und ihm zu helfen.

In welchem Alter wurdest du unabhängig von deinen Eltern?

Ich war siebzehn. Ich hatte die Idee, Barkeeper werden zu wollen. Natürlich sprach ich mit Jesper darüber und er sagte, nun ja, es wäre vielleicht eine bessere Idee, erst eine Ausbildung zu machen. Es gibt eine Kellner-Lehre, bei der man zur Schule gehen und gleichzeitig arbeiten muss. Das war ein sehr guter Kompromiss für mich.

Als ich siebzehn einhalb Jahre alt war, bin ich weggezogen an einen Ort, der eine Stunde Fahrt entfernt war und habe diese dreieinhalbjährige Ausbildung angefangen, in der ich die Hälfte der Zeit zur Schule ging und die andere Hälfte in einem Restaurant arbeitete.

Und ich habe eine Leidenschaft für Essen entwickelt. Zusätzlich wurde ich Sommelier. Also arbeitete ich in vielen verschiedenen Restaurants, in Hotels und kleinen Gourmet-Restaurants in Dänemark für zehn bis zwölf Jahre.

Warst du damals finanziell unabhängig?

Ja. Ich habe nie finanzielle Hilfe von meinen Eltern bekommen.

Wollten sie dir nicht helfen oder hatten sie kein Geld?

Meine Mutter war etwas weicher, denke ich. Also wenn ich es gebraucht hätte, hätte sie mir geholfen. Aber Jesper war immer sehr, sehr überzeugt davon, dass man nicht einfach bekommt, was man will. Man muss es sich selbst verdienen. Also hat er mir nie Geld gegeben und ich habe es auch nie erwartet.

Wie hast du dein eigenes Geschäft angefangen?

Jesper half mir, weil ich am Kempler-Institut anfing, Essen zu kochen. Er baute die Küche auf. Er schuf sozusagen die Grundlage. Und ich bekam einen Kredit von der Bank. Ich war etwa 28 Jahre alt.

Und dann lief das wirklich gut. Zuerst fing ich an, für die Studenten zu kochen, dann machte ich Catering außerhalb. Catering wurde ein großer Teil meines Geschäfts.

Man könnte also sagen, dass du ein Selfmademan bist.

Ja, das ist normal in Dänemark. Wenn du alt genug bist zu arbeiten, musst du arbeiten. Du musst dich selbst versorgen. Wenn etwas passiert und du in Schwierigkeiten bist und einen Platz zum Übernachten brauchst, kannst du natürlich immer nach Hause kommen. Und du wirst mit Essen und Unterkunft versorgt. Aber ich kenne niemanden, der nach der Schule Geld von seinen Eltern bekommen hätte.

Würdest du dich selbst als Mensch beschreiben, der eine Leidenschaft für Essen hat?

Ja.

Woher kam das?

Das kam eindeutig von Jesper, weil er in unserer Familie derjenige war, der kochte, wenn er zu Hause war.

Was hat er gekocht?

Es war alles Mögliche – von italienischem Essen über französisches bis indisches Essen. Er schnappte Rezepte aus Büchern oder in Restaurants auf, die wir besuchten. Er schaffte es immer, sich mit den Köchen in den Restaurants anzufreunden. Sie spürten etwas an ihm, und sie fingen immer an, mit ihm zu sprechen, und sie luden ihn immer in die Küche ein und verrieten ihm alle Tricks und Tipps. Er war wirklich fasziniert vom Kochen und von verschieden Geschmäckern.

Also kochten wir beide zusammen und teilten Ideen. Und wir berichteten einander immer, wenn wir in interessanten Restaurants waren oder neue Weine entdeckt hatten oder so etwas. Aber es war nicht nur das Essen und Genießen mit Freunden oder der Familie, was ihn so sehr faszinierte, sondern der Prozess des Kochens und die Planung dafür.

Hast du Jesper beim Kochen geholfen?

Ich schaute ihm zu und half ihm manchmal. Es gefiel ihm. Er sagte, wir seien sehr ähnlich; wir hassen andere Menschen in der Küche. Wenn wir kochen, wollen wir allein sein.

Als ich älter wurde, habe ich etwas guten Wein für ihn mitgebracht und er hat dann gekocht. Wir teilten viel über Essen und Wein. Es war immer unser Ding, gemeinsam Essen zuzubereiten und uns hinzusetzen zum Essen oder in Restaurants zu gehen. Wir genossen es immer sehr, das zusammen zu tun.

Wie sah deine Beziehung zu Jesper aus?

Ich denke, es kam sehr, sehr natürlich für uns beide, weil wir genau bekamen, was wir brauchten – aber aus sehr kurzen Interaktionen. Also wenn wir es wollten, dann trafen wir uns persönlich oder telefonisch oder wie auch immer. Und in wenigen Minuten sagten wir, okay, jetzt habe ich, was ich brauchte. Und dann ging er wieder. Ich sprach mit meinen Eltern nicht jede Woche. Es war einmal im Monat, einmal alle zwei Monate.

Welchen Job hast du jetzt?

Ich lebe in Thailand und leite drei Familienhotels in Phuket. Sie sind eine Mischung aus Gästehaus und Hotel. Ich habe viele verschiedene Aufgaben: Ich bin der Frühstückskoch, Buchungsmanager, Wartungsarbeiter und kümmere mich um den Kundendienst. Meine Frau und ich machen alles, und zusätzlich haben wir noch Personal.

Ist das deine Hauptbeschäftigung?

Ja. Ich hatte früher auch ein Geschäft in Dänemark, aber es schloss mit der Covid-Pandemie. Ich kochte für die Heilsarmee. Sie hatten ein Programm für Familien, die sich keinen Sommerurlaub mit ihren Kindern leisten konnten. Also brachten sie sie an einen Ort in Dänemark, wo sie gemeinsame Zeit verbringen konnten und allerlei Aktivitäten hatten. Und ich kochte für sie.

Wie bist du denn in Thailand gelandet?

Ich traf meine Frau vor 12 Jahren in Thailand. Und der Plan von Anfang an war, nach Dänemark zu ziehen und ein neues Geschäft zu starten. Es hätte ein Thai-Restaurant sein können oder was auch immer. Wir zogen nach Dänemark und begannen den ganzen Prozess. Wir versuchten die Staatsangehörigkeit für sie zu bekommen, damit sie legal bleiben konnte. Aber wie in vielen Ländern Europas war es fast unmöglich. Wir verbrachten unendlich viele Stunden nur in Warteschlangen bei den Einwanderungsbehörden. Und die Menschen sind nicht sehr freundlich zu Ausländern. Sie waren immer skeptisch, warum sie kommen und bleiben wollte. Als ich sah, wie unglücklich sie war, nach nur acht Monaten… zogen wir nach Thailand.

Wie ist es für einen Europäer, in Thailand zu leben?

In Europa lebt man mit seiner Familie in einem Haus, und dann besucht man vielleicht mal Cousins oder unternimmt etwas. Aber in Thailand ist es völlig anders. Dein Haus steht immer offen, nicht nur für deine erweiterte Familie, sondern auch für Nachbarn und eigentlich für jeden. Dreißig Verwandte meiner Frau leben in den anderen Häusern, die uns umgeben. Also gehen sie immer ein und aus.

Die thailändische Art, eine Familie zu sein, passt mir viel besser, weil man sich einfach trifft, wenn man Zeit hat, aber meistens kümmert man sich um die eigenen Angelegenheiten. Also kommt unser Sohn z.B. nach Hause, sagt Hallo, bekommt etwas zu essen und dann läuft er mit einigen Freunden weg und abends kommt er wieder und geht ins Bett. Die Thai-Art hat mehr Improvisation. Es gibt viel mehr Freiheit, würde ich sagen.

Man erwartet nicht, dass die Familie zu einer bestimmten Zeit zusammen ist, was so anders ist als die dänische Art. Und niemand gibt dir Schuldgefühle, weil du tust, was du tun willst. Also wenn meine Frau einen Besuch von ihren Freunden bekommt und sie sagen, okay, wir wollen jetzt einkaufen gehen, ist das okay. Bis später. Unser Sohn, Mathew, bekommt einen Anruf von einem Freund und dann geht er und bleibt vielleicht über Nacht bei seinem Freund und kommt am nächsten Tag zurück. Manchmal bleibt er vier oder fünf Tage weg, wenn sie Schulferien haben, und alles ist in Ordnung. Niemand kontrolliert, was andere Leute tun. Es gibt auch nicht diese Angst, die wir in Europa haben, dass etwas Schlimmes mit deinem Kind passiert, dass es sich ein Bein bricht. Überhaupt nicht.

Und gleichzeitig, wenn etwas passiert und du bei deiner Familie sein musst, wenn jemand in der Familie verletzt wurde oder es einen Unfall gab oder du helfen musst, dann sind alle sofort da, ohne Fragen.

Würdest du sagen, dass Kinder diese Art Gleichwürdigkeit erleben, von der Jesper sprach?

In Thai-Familien sind Kinder viel unabhängiger als in Europa und bekommen mehr Vertrauen von ihren Eltern. Manchmal ist es natürlich nicht gut, wenn sie zu viel allein gelassen werden und anfangen, Dinge zu tun, die sie nicht tun sollten. Und das passiert auch. Aber die meisten Kinder lernen schon in sehr jungem Alter, wie man sich selbst versorgt und wie man sich selbst motiviert und jemanden zum Spielen findet oder etwas zum Spielen findet. Sie sind nicht so abhängig von Mama und Papa, wie wir das häufig in Europa sehen.

Es gibt natürlich viel Armut, aber das Gute an Thailand ist, dass die Familie immer an erster Stelle steht.  Wenn ein Familienmitglied etwas braucht, dann unterstützt die Familie ihn oder sie sofort mit Geld oder Essen oder was auch immer sie brauchen, ohne Fragen. Also wird niemand wirklich zurückgelassen. Wenn man Hilfe braucht, bekommt man Hilfe.

Würdest du sagen, dass du dich in Thailand zu Hause fühlst?

Ja, das kann ich sagen. Ich möchte eigentlich nirgendwo anders sein.

Was fühlst du, wenn du in Europa und in Dänemark bist?

Ich mag es, meine Familie in Dänemark zu besuchen. Aber es fühlt sich fast so an, als wäre es zu sicher. Es ist ein bisschen langweilig. Alles ist so durchorganisiert. Wenn du krank wirst, gehst du einfach ins Krankenhaus. Wenn du zur Schule gehen willst, musst du dafür nichts zahlen. Es ist einfach zu sicher auf irgendeine Weise. Es mag komisch klingen, aber in Thailand musst du dich selbst versorgen. Und niemand wird je in Frage stellen, was du tust.
Wenn du etwas tun willst, tust du es. Du musst niemandem Rechenschaft ablegen außer dir selbst.

Sprichst du die Sprache?

Nein. In Thailand ermutigen sie dich nicht, ihre Sprache zu sprechen. Sie mögen es lieber, wenn man einfach Englisch spricht. In Phuket, die Haupttouristenregion,, spricht jeder Englisch.

Hast du vor, dein Leben lang in Thailand zu bleiben?

Ja, ich denke, ja.

Wie viele Kinder hast du?

Alex ist mein älterer Sohn aus meiner ersten Ehe, und Mathew ist jetzt 8 Jahre alt.

Wie war Jesper zu seinen Enkeln?

Er liebte seine Enkel, obwohl er es nie laut gesagt hat. Ein bisschen so wie mit mir. Aber sowohl Alex als auch Mathew waren sehr wichtig für ihn. Alex besonders, weil er einen größeren Teil seines Lebens in Dänemark bei ihm verbracht hat. Mathew war am Anfang ein bisschen ängstlich, weil Jesper bereits im Rollstuhl saß, als er ihn sah. Es war also anfangs schwierig für Mathew, er lief nur herum, beobachtete Jesper und spielte ein bisschen.

Hat Jesper dir und seinen Enkeln also nie „Ich liebe dich“ gesagt?

Nein.

Und zu dir?

Auch nicht. Ich glaube, das ist ein Wort, das wir in unserer Familie nie benutzt haben. Aber er zeigte seine Liebe.

Würdest du also sagen, er war wie jeder andere dänische Vater seiner Zeit und Kultur?

Ja, ich denke schon. Viel arbeiten, sich um die Familie kümmern. Er war nicht der Typ Vater, der mit mir auf dem Boden Lego spielte oder mich zum Fußballspielen oder zum Strand nahm.

Wie haben Jespers Ideen dein Familienleben und deine persönliche Beziehung zu deinen Kindern beeinflusst?

Es gibt einen Einfluss, aber ich denke nicht, dass es etwas ist, das aus einem seiner Bücher stammt oder eine Idee, die ich von ihm bekommen habe.

Hast du ihn je um Rat gefragt?

Ich bat Jesper um Hilfe, als mein erstes Kind in Dänemark geboren wurde, was wirklich, wirklich schwierig für mich war. Unser Sohn wurde etwas zu spät geboren, also weinte er immer und schlief nie. Und natürlich sprach ich mit Jesper darüber, wie ich mit der Situation umgehen sollte – mit mir selbst und mit Alex. Dann schickte er mich tatsächlich zu einem seiner Kollegen, mit dem ich gute Gespräche führte, die mir halfen. Jesper wollte sich nicht wie ein Fachmann in meine Beziehung mit meiner Ex-Frau oder mit Alex einmischen.

Er war gerne bereit, mir Rat zu geben, wenn ich danach fragte. Aber er hat nie gesagt: „Du musst dieses und jenes tun.“

Und was Jesper dir sagte, ergab das für dich Sinn?

Ja, es ergab Sinn, auch wenn es sehr kurz war, nur Stichpunkte. Es hat mir viel geholfen, denke ich. Es ging mehr darum, wie ich mich fühlte oder reagierte. Und dass er sich ähnlich gefühlt hatte, als ich geboren wurde. Auf diese Weise fand ich heraus, dass wir viel gemeinsam haben.

Hast du die Bücher deines Vaters gelesen?

Manche habe ich gelesen und manche habe ich noch nicht gelesen. Aber ich habe sie alle.

Was ist dein Favorit?

Das leichteste zum Lesen und das kleinste Buch ist das Buch über Familienessen. Und natürlich „Dein kompetentes Kind“. Manche sind ein bisschen zu technisch für mich. Als ich jünger war, verstand ich sie nicht und sie erschienen mir wenig nützlich. Aber ich genoss es, sie zu lesen, weil es seine Worte waren.

Hat sich dein Vater in den letzten Monaten seines Lebens mental verändert?

Nur, dass er so viel seiner Energie dafür aufwenden musste, einfach da zu sein und zu versuchen, die Schmerzen zu bekämpfen. Aber er war genau gleich wie immer, nur mit starken Schmerzen.

Hat er dich erkannt?

Ja, er war bei Bewusstsein. Nur sein Körper war in schlechtem Zustand.

In einem seiner Bücher erwähnt Jesper, dass das Einzige, das er bereut, ist, dass er sich nie genug mit spirituellem Leben befasst hat.

Genau.

Hat er dir das persönlich erzählt?

Sowohl Jesper als auch meine Mutter Katja hatten eine sehr gute dänische Freundin namens Nini, die eine besondere Dame war. Sie behauptete, sie könne in die Vergangenheit und die Zukunft sehen. Und er war sehr offen dafür. Als er krank wurde, versuchte er, alle alternativen Optionen zu erkunden, um Hilfe zu finden. Also vermute ich, dass er sehr offen für diese Welt war und ihn ziemlich viel erkundet hat.

Jesper war so unglücklich mit der Art der Behandlung, die er in Krankenhäusern erhielt.

Ja. Es war ein Elend. Ich denke, es ist schrecklich für jeden, der so etwas durchmachen muss, weil das Krankenhauspersonal auch gestresst ist. Ich kann verstehen, warum sie nicht 100% persönlich bei einem Patienten sein können.

Erinnerst du dich, ob er je über seinen Tod sprach?

Er hatte eine Vorstellung davon. Und er sagte nie, ich bin bereit, ich möchte sterben. Er sagte es nie laut, aber man konnte es am Ende sehen, dass er gehen wollte. Ich denke, die ersten fünf oder sechs Jahre wollte er wirklich kämpfen und gesund werden. Ein paar Jahre glaubte er daran, dass er diese Krankheit besiegen kann und vielleicht wieder laufen kann. Aber als er erkannte, dass es keine Option geben wird, wurde er einfach immer kränker und es wurde schlimmer und schlimmer. Er schaffte es immer noch zu arbeiten, aber längst nicht so viel, wie er wollte.

Wir bei familylab erhielten regelmäßige Updates von ihm über seinen Gesundheitszustand – eine Art Bericht, wie es ihm ging. Das war schmerzhaft zu lesen, aber es war schön, dass er das Bedürfnis hatte, zu schreiben und es mit uns zu teilen.

Der schlimmste Moment während seiner Krankheit war, als er überhaupt nicht sprechen konnte. Es war schrecklich. Als er seine Stimme wieder hatte, wurde es besser. Aber dann begannen die Schmerzen immer schlimmer zu werden und die Medikamente wirkten nicht mehr. Das war eine sehr schwere Phase, besonders weil es so lange andauerte. Es war viele Jahre so. Immer schlimmer und schlimmer.

Hattest du genug Zeit, um dich von ihm zu verabschieden?

Glücklicherweise ja. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Koch für die Heilsarmee in Dänemark und ich hatte zwei Wochen mit ihm, als er sozusagen im Krankenhaus ein und aus ging. Aber es war schwierig für mich, ihn so zu sehen. Wenn er zu Hause war, ging ich zu seiner Wohnung um Abendessen für ihn zuzubereiten oder Mittagessen zu machen und dann blieb ich vielleicht eine Stunde bei ihm, bevor ich wieder ging.

Deutsche Übersetzung: Interview mit Nicolai Juul (23. Juni 2023) durchgeführt von Dariusz Syska und Dušanka Kosanović

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