die familienwerkstatt
Mathias Voelchert GmbH
Oberbucha 4
94336 Windberg
Tel. 09962 2035110

DAS WIRD SCHULE MACHEN Die Lehrerweiterbildung
Alle TrainerInnen »Das wird Schule machen«
Verantwortung statt Gehorsam
Dialog statt Dogma
Beziehungskompetenz
Grundprinzipien

Vom Gehorsam zur Verantwortung


Neue Impulse und ein richtungsweisendes Buch für alle Pädagogen, Erzieherinnen und Eltern


»Tagtägliche Konflikte, zermürbende Machtkämpfe mit schwierigen Kindern - für viele Lehrer und Eltern eine große pädagogische Herausforderung. Doch Ungehorsam und Disziplinlosigkeit haben vor allem eine Ursache: einen tief greifenden Beziehungskonflikt zwischen Erwachsenen und Kindern. Kinder wollen lernen, wollen kooperieren, wenn im respektvollen Umgang, ihre persönliche Integrität und Individualität anerkannt und gewahrt wird. – Jesper Juul und Helle Jensen zeigen, warum wir in Kindergarten, Schule und Elternhaus ein grundlegend neues Verständnis von Erziehung brauchen und wie dieses aussehen kann. Sie zeigen, warum die Qualität der Beziehung zwischen Lehrern, Eltern und Kindern maßgeblich darüber entscheidet, ob Erziehung und Schule gelingen.«

Hier bestellen

Was Kinder von Lehrern brauchen

Verantwortung statt Gehorsam – Für eine neue Beziehungskultur

Neue Impulse gibt das richtungsweisende Buch für alle Pädagogen, Erzieher und Eltern. Jesper Juul, einer der bekanntesten Familientherapeuten Skandinaviens und Helle Jensen, Diplompsychologin zeigen, warum wir in Kindergarten, Schule und Elternhaus ein grundlegend neues Verständnis von Erziehung brauchen und wie dieses aussehen kann. An vielen Beispielen aus Kindergarten und Schule zeigen sie, warum die Qualität der Beziehung zwischen Lehrern, Eltern und Kindern maßgeblich darüber entscheidet, ob Erziehung und Schule gelingen:

Helle Jensen und Jesper Juul
Vom Gehorsam zur Verantwortung

– Für eine neue Erziehungskultur –
Beltz Verlag 2004 & Neuauflage 03/2009 - Eine Buchbesprechung von Christine Ordnung.
„Vom Gehorsam zur Verantwortung“ ist ein Buch über Pädagogik, welche das Bedürfnis nach Wertschätzung und die Würde von Erwachsenen und Kindern ohne Einschränkung respektiert. Beziehungen und Beziehungskompetenz sind die zentralen Themen.


 
Trotz besseren Wissens hält sich in der pädagogischen Praxis die moralische Verurteilung. Sobald es in einer Beziehung zum Konflikt kommt, gibt es Schuldzuweisungen. Wie es anders sein kann und wie wir uns dahin entwickeln können, zeigen Helle Jensen und Jesper Juul. Destruktive Beziehungen schaden beiden Seiten. Von einer Veränderung profitieren alle Beteiligten. Diejenigen, die in Beziehungen persönliche Verantwortung übernehmen können, verbessern ihre Lebensqualität auf beruflicher und privater Ebene. Solche Vorbilder brauchen Kinder.
Die Beziehungsqualität, von der die Autoren sprechen, erschließt sich der Leserin und dem Leser in anschaulichen Beispielen und beispielhaften Dialogen. Die gewählten Szenen aus Kindergarten- und Schulalltag werden den meisten Pädagoginnen und Pädagogen vertraut sein. In ihren Analysen reagieren die Autoren auf die existenziellen Bedürfnisse und Nöte der Kinder. Sie begreifen das Verhalten der Kinder als Signal und Wegweiser für die Erwachsenen.
Meist beabsichtigen Erzieherinnen oder Erzieher bzw. Lehrerinnen oder Lehrer, den Willen der Kinder zur Kooperation zu fördern, ihnen Selbstvertrauen zu geben und soziale Verantwortung beizubringen. Das entspricht der traditionellen Pädagogik, widerspricht jedoch dem, was heute über die Existenz und Entwicklung der Kinder bekannt ist. H. Jensen und J. Juul plädieren für eine Pädagogik, die auf die Wahrung der Integrität, den Zugewinn von Selbstwertgefühl und auf persönliche Verantwortung setzt.
 
„Vom Gehorsam zur Verantwortung“ verbindet die Erkenntnisse der Hirn- und Säuglingsforschung sowie die der Beziehungspsychologie mit dem Leben in Familien, Kindertagesstätten, Schulen und anderen Einrichtungen. Es ist ein Fachbuch, das die anerkannten Forschungsergebnisse konsequent in die Praxis der zwischenmenschlichen Beziehungen einbringt: (Seite 152)

  • Kinder werden als soziale Wesen geboren. Sie haben die Fähigkeit und den Drang soziale Beziehungen einzugehen. Kinder kooperieren.

  • Die Reaktionen der Kinder sind immer sinnvoll.

  • Kinder können persönliche Verantwortung übernehmen.

  • Kinder brauchen Subjekt-Subjekt-Beziehungen. Die traditionelle Pädagogik sieht das Kind oft als Objekt in einer Subjekt-Objekt-Beziehung, in der der Erwachsene etwas mit und an dem Kind tut.


Kinder, die sich anderen oder sich selbst gegenüber destruktiv verhalten, brauchen Hilfe, die sich an ihrer Person orientiert und nicht an ihren Vergehen.
Die Autoren definieren die Begriffe Integrität, Kooperation, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, persönliche und soziale Verantwortung. Die Leserinnen und Leser erfahren, warum persönliche Verantwortung vor sozialer Verantwortung kommt. Es wird deutlich, dass zu viel Kooperation auf Kosten der Integrität des Kindes geht und wie leicht Selbstvertrauen zusammenbricht, wenn das Selbstwertgefühl fehlt.
Wie per Zoom führen die Autoren den Leser an das menschliche Potential der an einem Konflikt beteiligten Menschen heran. Die altbekannte, oft verabschiedete, aber sich doch hartnäckig haltende Kultur des Gehorsams und der Disziplin in Schulen und Kindergärten trüben unseren Blick für das Wesentliche.
Im Folgenden gebe ich ein Beispiel aus dem Buch wieder (Seite 207ff), an dem die Haltung der Autoren gegenüber Kindern deutlich wird:
 
„Die 5. Klasse beschäftigt sich mit interdisziplinären Themen, die Kinder arbeiten in Gruppen. Die Lehrerin hat die Gruppen so zusammengestellt, dass sie möglichst effektiv sind. Immer gibt es Kinder in der Klasse, denen die Arbeit in der Gruppe schwer fällt und /oder mit denen die anderen keine Lust haben zusammenzuarbeiten.
Ein solcher Fall ist Niklas. Er ist mit vier anderen in einer Gruppe, und die Arbeit hat angefangen. Niklas will den Bleistift anspitzen, etwas Wasser zu trinken haben, einen Radiergummi ausleihen oder auf die Toilette gehen, alles deutliche Signale, dass es ihm schwer fällt, in der Gruppe zu arbeiten. Die Interventionen der Lehrerin lauten z. B. wie folgt: ´Niklas, fang endlich an. Hast du das Buch gefunden, mit dem du arbeiten sollst? Dann fang endlich mal an. Schau hier auf Seite 37 steht es.´ Und kurz darauf: `Niklas, du bekommst nichts fertig, wenn du immer wieder aufstehst, jetzt hör auf, die anderen ständig zu stören!`
Niklas wird immer unruhiger und will am Ende aus dem Klassenzimmer gehen. Die Lehrerin stellt sich vor ihn und sagt, er müsse bis zur Pause warten. Das bringt Niklas zur Verzweiflung, und er droht mit Schlägen. …“
Die Lehrerin konnte die Not des Jungen nicht sehen, darum eskalierte die Szene. Niklas kann die Zusammenarbeit in der Kleingruppe nicht aushalten, die anderen arbeiten nur deshalb mit ihm zusammen, weil die Lehrerin es von ihnen verlangt. Der Junge versucht sich zu helfen, die Lehrerin versucht ihren Unterricht und die anderen Schüler vor Störungen zu schützen.
 
Jensen und Juul beschreiben Niklas´ Verhalten als kompetent. Er kann erkennen, dass ihm das Zusammensein mit seiner Kleingruppe unerträglich ist. Ihm fehlen allerdings die Worte für eine adäquate Erklärung. Ohne Unterstützung der Lehrerin kann er seinem Unbehagen nur in der oben beschriebenen Form Ausdruck geben. „Wir wissen, dass er eine Lehrerin braucht, die weiß, dass Kinder gern zusammenarbeiten und, dass ihnen ein Gespräch fehlt und vielleicht ein wenig Hilfe, wenn sie nicht dazu in der Lage sind.“
„In diesem Fall wissen wir nicht, was die Lehrerin davon abhielt, Niklas zu helfen. Vielleicht sieht sie nur das Ziel: Kinder sollen lernen in Gruppen zu arbeiten, und Gruppen sollen schulische Leistungen zeigen. Vielleicht hatte sie selbst immer gute Erfahrungen mit Gruppenarbeit gemacht und deshalb hat sie Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wie schwer es ein Junge wie Niklas hat. Vielleicht trifft das Gegenteil zu: Sie hat selbst die Ausgrenzung und die Einsamkeit erlebt und musste selbst den Schmerz so lange ignorieren, dass sie ihn verdrängt hat, und ist womöglich auch immun gegen den Schmerz anderer geworden. Berufliche Reflexion und Kommentare von guten Kollegen hätten ihr dabei klärend helfen können.“
Erst im Konflikt oder in diesem Fall bei einer Kollision bekommt sie die Chance, mehr über sich zu lernen, wenn sie den Zusammenstoß noch mal reflektiert.
 
Die Darstellungen in dem Buch lassen nicht die Idee von Schuld aufkommen. Wenn Jensen und Juul ein Verhalten ablehnen, dann sagen sie es unverblümt. Ansonsten sprechen sie von Verantwortung und die muss der übernehmen, der sie hat. Zwischen Lehrern und Schülern, liegt die Verantwortung bei den Lehrern, zwischen Schulleitung und Lehrern, bei der Leitung, zwischen Eltern und Kindern bei den Eltern, etc.
Was die Situation oft noch verkompliziert, ist unsere Neigung zu diagnostizieren und zu kategorisieren. Festschreibungen wie der folgende Satz sind das Ergebnis:
„Diesem Kind fehlt die soziale Kompetenz, mit anderen Kindern zusammen zu arbeiten.“ Damit bekommt es innerhalb der Institution einen Stempel, den es schwer wieder los wird.
„Vom Gehorsam zur Verantwortung“ entlarvt die Versuche der Pädagogik, immer wieder neue, „bessere“ Methoden anzubieten, ohne sich wirklich von den „alten“ Werten zu verabschieden. Alle, die mit Kindern arbeiten, wissen, wie sehr sie von ihren eigenen Erfahrungen geleitet werden und wie schwer es ist, ein Kind wirklich ernst zu nehmen und ihm Respekt zukommen zu lassen, Respekt, den sie selber nicht erlebt haben.
In den letzten 40 Jahren ist ein enormer Wandel in der Pädagogik zu beobachten. Rollenzuschreibungen in Familien verändern sich. Kinder und Jugendliche genießen eine verbesserte Stellung in der Gesellschaft. Sie treten selbstbewusster auf und stehen mit ihrer veränderten Haltung Erwachsenen gegenüber, die ihnen mangels eigener respektvoller Erfahrungen oft nicht gewachsen sind. Die persönliche Weiterentwicklung der Fachleute ist dringend notwendig.
Die Lektüre des Buches macht Lust und ermutigt, neue Wege zu gehen. Allerdings hat die deutsche Übersetzung des dänischen Textes Mängel und erschwert der Leserin und dem Leser den Zugang, z. B. Seite 80 Mitte muss es Selbstvertrauen statt Selbstwertgefühl heißen. Ich las zum Einstieg die Beispiele mit Analysen am Ende des Buches. Diese machten mich neugierig auf das ganze Buch.
„Vom Gehorsam zur Verantwortung“ empfehle ich allen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sei es in Schulen, Kindertagesstätten, Heimen oder offenen Kinder- und Jugendtreffs. Es gibt Impulse, sensibler für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen zu werden. Es macht neuen Mut zu vertrauen, statt zu kontrollieren. Eine Buchbesprechung von Christine Ordnung.